Beliebte Vornamen #4 [oder so]

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Suchzettel in der Innenstadt. Eigentlich traurig, aber ich freute mich ein bisschen über den für einen Kater so treffenden Namen “Mausi”.
Dann kam mir der Gedanke, ob die Geschichte vielleicht eine ganz andere ist. Der Kater wird vermisst und Mausi ist auch weg. Beziehungsweise der Kater wird vermisst, weil just seit dem Mittagessen Heiligabend Mausi weg ist. Oh. (“Na, Herr Kater, mit wem feiern Sie dieses Jahr?” “Ach, Mausi und ich haben ein Festmahl im kleinen Kreis und dann muss ich verschwinden…”)

 

Bitte nicht stören!

Letzter Tag im Semester, Klausuraufsicht. An der Tür ein großes, farbiges Schild: “PRÜFUNG! Bitte nicht stören!!” Gut 40 gebeugte Köpfe. Schreibende Hände, streichende Hände, rote Wangen. Mehr Papier, bitte. Blättern im Wörterbuch. Der junge Mann in der Ecke überprüft, ob auf seinem Unterarm etwas Brauchbares notiert ist. Wie lange noch?
Noch 10 Minuten.
Einige geben ab.
Noch 5 Minuten.
Die Tür geht auf, eine ältere Dame mit blauer Handtasche und blauem Hut kommt herein.
Ich gucke sie an.
“Wer zur Prüfung kommt, muss mitschreiben. Wir sind hier noch nicht fertig.”
“Hm?”
Sie stellt ihre Handtasche auf einen der Tische in der ersten Reihe, direkt neben den Prüfungsbogen der dort sitzenden Studentin. Mallorca-Gefühle.
“Bitte warten Sie draußen! Wir schreiben hier eine Prüfung und sind noch nicht fertig!”
“Ach?”
Hinter ihr drängen weitere silberhaarige Herrschaften in den Raum.
“Bitte. warten. Sie. draußen.”
“Ah. Aber meine Tasche, die kann ich doch schon mal hierlassen, ja?”
“Äh? Ja. Aber! Verlassen Sie bitte den Raum und warten Sie draußen! Jetzt! Alle! Und machen Sie die Tür wieder zu! Wir haben hier Prüfung!”
Die älteren Damen und Herren raffen – mit Ausnahme der blauen Handtasche für den guten Platz gleich – ihr Zeug zusammen und begeben sich umständlich wieder zur Tür heraus. Tür zu.
Keiner schreibt mehr, alle gucken mich an, einige lachen. “Universität des dritten Lebensalters. Die haben es immer so eilig.” Dann beugen sie sich wieder über ihre Bögen.
Noch 3 Minuten.

Geht so. Nicht.

Also, liebe Linke, natürlich ist Reichtum teilbar. Aber doch bitte VOR dem T!  Reich|tum, der
Ok, reicht|um geht auch, in solchen Sätzen wie: “Der in diesem unseren Lande angesammelte Reich|tum reicht, um davon gut zu leben”. Aber ohne vernünftige Grammatik wird das doch wieder nichts mit der neuen Gesellschaft. 

gute kostprobe

Eine Packung italienischen Brotersatzes, viersprachig beschriftet. Nehmen wir den Serviervorschlag aus dem deutschen Text:

PIADINA ROMAGNOLA – BACKWAREN
Fuer eine gute kostprobe: Gut im Gegenhaftend erwärmen oder auf eine warme Platte legen, mit Schinken und käse fuellen, Stracchino, Butter, Marmelade oder was die fantasie eingibt.

Nachdem wir in der Küche erfolglos unser Gegenhaftend gesucht haben, half ein klärender Blick auf den italienischen Text:

Scaldare in una padella antiaderente o una piastra già calda [...]

Gegenhaftend! Eine wörtliche Übersetzung der einzelnen Bestandteile des italienischen Adjektivs, eine padella antiaderente ist eine beschichtete Pfanne, bzw. eine Pfanne gegenklebend, kurz: ein Gegenhaftend.

Als Stracchino nehmen Sie einfach das, was Ihre fantasie eingibt.

Der Immen Markt, der Blumen Plan


Ich bummelte gestern so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn. Stimmt nicht ganz, ich wollte Spargel suchen und Kartoffeln, Tomatenpflanzen und einen Rosenstock für den Balkon, aber all das erst am Ende der Bummelei. (Und nach dem Bummeln kommt die Moral, respektive das Schleppen, das Röslein rot vier Kilometer bergan.) Auf dem Weg wollte ich nichts suchen, und da dachte ich gerade darüber nach, dass sich das Finden ja meist genau dann einstellt, wenn nur so für sich hin geht, im Walde oder auf der Straße Richtung Stadt, und noch wahrscheinlicher findet man dann, wenn man die Kamera nicht dabei hat. Und die hing zu Hause an der Wand, ja ja. Da die Fototasche so groß und der Stauraum im Kinderwagen für Pflanzen und Gemüse vom Markt verplant war. Dieses Dilemma würde sich auch nicht lösen, wenn ich tatsächlich von analog zu digital wechselte, dachte ich noch, da ich auch im digitalen Bereich nach den großen Kameramodellen schiele. Kaum zu Ende gedacht, sah ich im Schatten ein Schildlein stehn. Und ein Motiv, natürlich. Das müsst Ihr mir jetzt eben so glauben, was es bei Wölfis gestern gab:
Gefühlte Schweinefilets mit Salat.
Nicht nur ich war romantisiert vom Frühlingsausflug mit Baby auf den Markt und der Aussicht auf Blumen und Spargel, nein, Lyrik lässt ihr altbekanntes Band wieder flattern, und so wollen auch die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern, und alle sind ganz hach. Schlimm.

Cross-Over

Percanto zeigt mir einen Artikel über Schlafstörungen bei Paaren, den er aus der Zeitung ausgeschnitten hat, fragt mich, ob wir wegen meiner akustischen Überempfindlichkeit etwa auch in getrennten Betten schlafen müssen – und stutzt, als sein Blick auf das abgebildete Cover von “Ein Bett für zwei” fällt.
Oh. Ob das etwa ein Nazi-Buch sei?
Liebe Leute vom Herbig-Verlag, was haben Sie sich bitte bei diesem Foto gedacht?