Die Sache mit den Namen

In den Kommentaren zu diesem Beitrag hat es sich ja bereits angedeutet – das mit der Aussprache der Namen klappt bei dieser WM nur so mittel. Auch das mit den Namen, denn die gesamte Berichterstattung ist, unter uns gesagt, ganz schlimm. Zwischen den Spielen wird vorzugsweise der deutsche Bus gezeigt, in der Halbzeit eines Spiels von, nur so als Beispiel, Argentinien und Bosnien-Herzegowina kommt ein launiger Bericht über einen Schweizer Fan, während vor dem Schweiz-Spiel dann mal wieder der deutsche Bus gezeigt wird. Hauptsache, es passt nicht und hat wenigstens 8 Punkte auf der nach oben offenen Irrelevanz-Skala. Auch interessant, wenn in der Halbzeitpause irgendeines Spiels ohne deutsche Beteiligung der deutsche Co-Trainier interviewt wird. Zu solchen entscheidenden Fragen wie der nach seiner Bräune („Sind Sie viel draußen?“), man fasst es nicht. Noch weniger zu fassen sind Kommentare wie die über den Südländer an sich (der halt etwas unorganisiert sei, auch dazu ein knappes Statement unter dem Eintrag unten; und das wird nicht etwa in den Foren von obskuren Online-Foren behauptet, sondern vom offiziellen Reporter im öffentlich-rechtlichen Fernsehen). Es ist schlechterdings nicht zu ertragen.IMG_1567 Und während des Spiels? Taktik findet nicht statt. Die Chef-Kommentatoren von ARD und ZDF nehmen sich da wenig. Stating the obvious, sonst nichts. Das höchste der Gefühle ist die Benennung einer Viererkette. Leute, sowas erkenne sogar ich! Also erklärt mir der Lieblingsitaliener zwischen den Spielen, was nun diese falsche Neun ist, wie sich die defensiven Mittelfeldspieler nach hinten fallen lassen können, wie man früher verteidigt hat und was mit der diametral wegkippenden Sechs ist.
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Was machen also die Leute in den Reporter-Kabinen da, wenn so etwas sie nicht interessiert? Oder sie davon ausgehen, dass es hier draußen bei uns keine Sau interessiert? Und sagt mir nicht, dass das zu kompliziert sei; zu jedem Curling-Spiel der vergangenen Olympischen Spiele gab es mehr Regelwerk-Erklärungen und Taktik-Informationen als bei dieser Fußball-WM insgesamt! Taktik (angeblich, ich habe das nicht überprüft) und Kameras aus allen Richtungen werden dann in die Online-Auftritte der Sender verschoben, dabei haben sie wahnsinnig viele Sendeminuten nicht nur mit Bildern, sondern auch mit dem O-Ton ihrer eigens dafür engagierten Sprecher zu füllen. Was tun diese Sportjournalisten dann also während der Spiele? Sie erzählen etwas über die Spieler. Aber nicht über ihre Position auf dem Feld oder über das, was sie da gerade im Mannschaftsgefüge tun oder tun sollten, sondern zum Beispiel über ihren Werdegang. Die Zahl der Kinder, die ihnen heute im Stadion zujubeln dürfen. Anekdoten zu irgendwelchen Einsätzen in der 78. Minute bei einem Ligaspiel vor fünf Jahren. Trinkspieltauglich: die Benennung der deutscher Mannschaftskameraden in ihren aktuellen Vereinen. („Antonio Candreva, Vereinskamerad von Klose bei Lazio Rom“, you name it. Immer.) Also, sie nennen die Namen und lesen die Informationen ab, die sie dazu auf ihren Tablets haben oder die ihnen noch so einfallen. Ansonsten: das, was man sieht. 90 Minuten lang (oder 90+5 bei dieser WM) nur die Namen zu nennen und Anekdötchen zu erzählen, meine Güte, das kann doch nicht befriedigend sein! (Für den Hörer ist es das nicht. Aber doch gewiss auch nicht für den Reporter! Das glaube ich nicht – puh, wenn ich mir vorstelle, ich dürfte in 90 Minuten Literatur-Seminar alle Autoren-Namen sagen und alles, was mir zu den Titelbildern einfällt, aber bloß! nichts! zu Erzähltechnik, Handlung oder Figurenkonstellation. Don’t mention the plot! Hilfe.)
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Ok, nehmen wir an, der Reporter findet das irgendwie doch befriedigend, 90 Minuten lang ausländische Namen und Vereine auf dem Spielfeld zu verschieben. Wenn es das ist, dann verstehe ich noch immer nicht – noch lange nicht und eigentlich erst recht nicht -, warum man sich nicht wenigstens darauf vorbereitet. Bei ARD und ZDF gibt es doch Datenbanken und Spezialisten, und wenn nicht, ist das ganze Stadion voller Muttersprachler, von denen man kurz mal einen zur Seite nehmen könnte. Warum also ist es nicht möglich, sich um die Aussprache der Namen zu bemühen? Also, die in der jeweiligen Sprachen ungefähr vorgesehene? Es ist möglich, und wenn es nicht geschieht, ist das in meinen Augen (oder Ohren) ein Zeichen von Desinteresse. Es geht nicht darum, dass fremdsprachige Wörter schwierig auszusprechen sein können, ich möchte auch nicht über Schwierigkeiten mit Fremdsprachen lästern, wenn das nicht der Job ist (Thank you for travelling, das meine ich nicht). Aber eben: sie nennen nur die Namen, die Namen stellen das Herz (oder das dürre Skelett) ihrer Berichterstattung dar. Und die Grundregeln der Aussprache scheinen dabei einfach egal zu sein. Entweder werden manche Namen konsequent falsch ausgesprochen, oder der Reporter variiert sich so durch. Wenn man einen Namen an drei Stellen betonen kann, kommt jede Variante mal dran, am Ende stimmen dann 33%. Und ich finde das nicht belanglos, für mich ist das eine Form der Respektlosigkeit, der mangelnden Wertschätzung der jeweiligen Spieler (und/oder Länder). Ist das übertrieben? Mal ein Beispiel aus einer anderen Sportart. Bei den Mannschafts-Europameisterschaften der Leichtathleten am vergangenen Wochenende überraschte die junge Diskuswerferin Shanice Craft, die das deutsche Team in dieser Disziplin vertrat, und wurde zweite. Der Reporter gratulierte artig und fragte sie dann, smalltalkend, wie er denn ihren Namen aussprechen solle – wie das deutsche Wort „Kraft“ oder eher englisch, Cräft? Soweit, so korrekt. Wenn man es nicht weiß (und vergessen hat, sich vorher zu informieren), einfach mal jemanden fragen, der Ahnung hat, im Zweifel den Namensträger selbst. Shanice Craft lächelte tapfer und sagte, die englische Aussprache sei ihr lieber „und auch richtig“. Ok, sagte der Reporter, „Cräft“, und fügte an: Als Zweitplatzierte der Europameisterschaften dürfe sie sich das auch aussuchen. Bitte? Man muss sich das Recht, vernünftig ausgesprochen zu werden, erarbeiten? Unter den Medaillenrängen geht da leider nichts und jeder darf so viel vor sich hin verhunzen, wie er lustig ist? Unter anderem das meine ich mit Respektlosigkeit. IMG_1569In Deutschland gab es ja mal ausführliche Diskussionen um den Namen des brasilianischen Fußballers Grafite. Ein Reporter sagte dann irgendwann, ganz im Geiste des eben aus dem Gedächtnis zitierten Leichtathletik-Journalisten, „Grafiet, oder Grafitschi, wie er selbst gerne ausgesprochen werden möchte“. Nein, nochmal: Der heißt so. Das ist keine kapriziöse Idee eines Sportlers mit Star-Allüren, dass er „gerne so genannt“ würde. Der Name wird im brasilianischen Portugiesisch (der meisten Regionen, so einfach ist das nicht, leider) eben so ausgesprochen. Gilt übrigens auch für den Spieler Dante. (Als ich noch einen etwas komplizierteren Namen hatte, hat mir auch mal jemand eine andere Aussprache vorgeschlagen – „aber so geht das doch auch, eigentlich.“ Nein, geht es nicht. Glaubt den Leuten doch einfach, sie werden schon wissen, wie sie heißen.)

So. Es hat mich etwas davongetragen. Eigentlich wollte ich nämlich gar nicht schimpfen, sondern was erklären. Nämlich die Aussprache von einer Gruppe von Namen, von denen es überdurchschnittlich viele gibt bei dieser WM, die spanischsprachigen. (Die italienischen Namen würden auch einen Erklärtext verdienen, aber wir haben nach dem letzten Gruppenspiel noch einen kleinen Kater. Der Lieblingsitaliener antwortet aber bestimmt bald wieder gerne auf linguistische Fragen zu seinem Team, Sie können solange schon mal mit „Stracciatella“ üben.)
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Also. Erklärteil. Ich erkläre nun ein paar Grundregeln zur spanischen Aussprache und insbesondere zur Betonung spanischer Wörter, mit denen sich die meisten Namen der spanischsprachigen Teams lösen lassen. (Disclaimer: Ich mache das bewusst nicht mit der Fachterminologie, und vollständig ist der Erklärteil auch nicht.)

  1. Sagen Sie erstmal das, was da steht. Ohne Extras.
    Beispiel: Der Trainer von Chile heißt Jorge Sampaoli. Man hört immerzu „Sampajoli“. Da ist aber gar kein J. Einfach Sam-Pa-O-Li. Auch wenn das dann so ähnlich wie Sankt Pauli klingt, das ist schon ok so.
  2. Sagen Sie erstmal das, was da steht. Ohne Verluste.
    Spanisch ist ja nicht Französisch, lassen Sie die Endungen ruhig dran. Bei Luis und Javier und del Bosque darf man auch die letzten Buchstaben noch hören.
  3. Dann aber auch: Sagen Sie nicht genau das, was da (anscheinend) steht.
    • ñ. Den besonderen spanischen Buchstaben ñ kennen Sie zum Beispiel von „el niño“, das klingt einfach wie nj. Beispiel: Camilo Zúñiga klingt in der Mitte wie Zúnjiga.
    • ll. Anders als im Deutschen ist z.B. das doppelte L kein L mehr, sondern – regional unterschiedlich – ein Laut, der wir „lj“ klingt oder wie „j“ oder auch wie „sch“. Beispiel: Der Trainer von Argentinien heißt Alejandro Sabella. Man hört hier meist „Sabella“, wie das italienische „bella“. Sagen Sie stattdessen „Sabelja“ oder „Sabena“ oder, wenn es wie am Río de la Plata klingen soll, „Sabescha“. [Hier bitte die Kommentare lesen. Italiener in Buenos Aires. Es bleibt kompliziert.]
    • s. Und das S bitte stimmlos. Sabella also nicht wie die Kurzform von Isabella, sondern mit scharfem S: ßabelja, ßabeja oder ßabescha. So etwa. (Gilt auch für den oben genannten Spieler Zúñiga. Wenn Sie sich vorwiegend südamerikanisch fühlen: ßúnjiga. Sind Sie eher in Europa zu Hause: Statt ß ein Lispel-Z vorweg, Rest bleibt gleich.)

    Beim ll und beim c/z wurde schon deutlich, dass es ein paar grundlegende Unterschiede zwischen dem europäischen Spanisch und dem der meisten lateinamerikanischen Länder gibt. Das macht aber nichts, man versteht und akzeptiert auf beiden Seiten des Atlantiks die verschiedenen Varianten. Ob Sie also, beispielsweise, bei za  /ce / ci / zo / zu das c/z wie ein englisches th lispeln (Spanien) oder wie ein stimmloses s sprechen (viele Regionen Lateinamerikas), ist Ihre Entscheidung. Und das j? Wie das ch in Dach. Ale-Chandro. H bleibt stumm, und wenn Sie ein Zungenspitzen-R können, rollen Sie drauflos, wenn nicht, macht das auch nichts.
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  4. Grundregeln Betonung:
    Mit der Betonung der Namen wird von den Kommentatoren lustig herumexperimentiert. Fernández, Fernández und Fernández kamen etwa gleich oft vor, auch Suárez, Suárez und Suárez waren zu je einem Drittel auf dem Feld. Die Chance, den jeweiligen Namen richtig zu betonen, lag damit bei gut 30%. Das geht besser. Und zwar so:
    Im Spanischen wird normalerweise die vorletzte Silbe betont. Beispiele: Cuadrado, Ospina, Muslera, Torres. Gilt auch für Vornamen: Fernando, Pablo, Arturo.
    Ausnahme a) Das Wort endet auf einem Konsonanten (außer -s oder -n). Diese Konsonanten sind meist -r, -z oder -l. Dann wird die letzte Silbe betont. Beispiel: Vidal. (Endbetont: Vidal.)
    Ausnahme b) Ein Akzent sieht etwas anderes vor, dann wird die Silbe mit dem Akzent betont. Immer.
    Und Ausnahme b) übersticht Ausnahme a).
    Das ist bei Namen ziemlich häufig, denn spanische Namen enden recht oft auf -ez. Bei -z am Ende greift eigentlich Ausnahme a), die aber dann häufig durch Ausnahme b) – nämlich einen auf der vorletzten Silbe platzierten Akzent – wieder aufgehoben wird. Beispiele: In aller Munde: Suárez. -z am Ende heißt eigentlich Betonung auf der letzten Silbe (das wäre *Suarez). Auf dem a ist aber ein Akzent, und der Akzent ist stärker als die Regel der Endbetonung, also bitte die Silbe mit dem Akzent betonen: Suárez. Nach gleichem Prinzip funktionieren Gutiérrez, Fernández, Gonlez, Hernández oder rez. Die Betonung sitzt praktischerweise immer da, wo der Akzent steht. (Immer.) Beim Trainer Uruguays, Óscar Tabárez, greift die Akzent-Regel gleich zweimal: Weil die Wörter auf -r bzw. -z enden, müssten Vor- und Nachname endbetont sein. Die Akzente ändern dies aber und schieben die Betonung jeweils auf die vorletzte Silbe, also Óscar Tarez. Anderes Beispiel: Bei Cáceres müsste die Betonung ganz regulär auf der vorletzten Silbe sein (wie bei Torres), aber der Akzent zieht sie auf die vorvorletzte Silbe: ceres. Natürlich kann der Akzent die Betonung auch auf die letzte Silbe ziehen, wenn die eigentlich unbetont wäre, so wie bei Fredy Guarín.

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Morgen beginnen die Achtelfinals mit sechs spanischsprachigen Ländern, aber ohne Suárez. Viel Spaß beim Zuhören – und Macnelly Torres fragen Sie dann vielleicht selbst nochmal, wie sein Vorname korrekt ausgesprochen wird. Am besten auch dann, wenn er nicht den Pokal nach Hause bringt und sich die richtige Aussprache seines Namens ehrlich verdient hat.

Und jetzt würde ich mich freuen, wenn mir jemand die Namen der Niederländer erklärt. Ich stolpere doch sehr, wenn ich diese – zu meinem Aussprache-Glück fast leere – Doppelseite aus dem Panini-Album vorlesen muss. Jordy Clasie? Jasper Cillessen? Wie habe ich mir das vorzustellen?

32 Gedanken zu „Die Sache mit den Namen

  1. Sehr schön. Allerdings habe ich einen Einwand: Sabella wird tatsächlich Sabella wie die Bella Italia ausgesprochen, denn auch in Argentinien weiß wan, dass der Name italienischer Herkunft ist. Man hört zwar hin und wieder Sabescha, auch Sabeja, aber jeder weiß, daß es falsch ist. In der argentinischen Öffentlichkeit ist das auch durchweg so üblich, die Aussprache dann weniger italienisch, mit einem kürzeren „l“: Sabéla.

    • Hehe, ok, das Fass mit den zahlreichen italienischen Namen in Argentinien wollte ich erst aufmachen, habe es dann aber doch lieber zugelassen… Aber ein Fass ist nur so lange zu, bis jemand anderes es aufmacht, nicht wahr? 🙂
      DANN müssen wir aber doch auch was zur Aussprache von Doppelkonsonanten in Italien sagen. Sicher?

      • (Wie formuliert man jetzt diese Ausnahme? Italienische Nachnamen spanischsprachiger Spieler sprechen Sie so aus, wie sich nach ein paar Jahrzehnten im spanischsprachigen Umfeld abgeschliffen haben, ohne ihre italienische Heimat ganz vergessen zu haben …? Das geht mir nie und nimmer als linguistische Regel durch! Keine Chance!)
        (Und den zweiten Vornamen von Tabárez hatte ich auch unterdrückt. Washington. Da macht es uns Yeltsin Tejeda wenigstens mit eindeutiger Orthographie einfach.)

  2. Ärgerlicherweise halten sich die Niederländer bei der Namensgebung nicht an ein Regelwerk, sondern sprechen es oft nach Belieben aus. So wird das Jordy bei Jordy Clasie wie Jordan ausgesprochen, also mit einem „I“, obwohl der Ursprung des Namens iberisch anmutet. Clasie klingt wie Klaasie, mit Betonung auf der ersten Silbe. Auch Cillessen wird auf der ersten Silbe betont, mit einem „S“ am Anfang, als wäre es ein französisches Wort, gegen Ende hin aber wie ein dänischer Familienname, wie Ingwersen beispielsweise. Síllesen.

    Natürlich superschlüssig. Perfekt organisiert, diese Nordländer.

  3. Nein nein, muß man ja nicht. Hätte man elegant umschiffen können, indem man ein anderes Beispiel nimmt. Aber hier eine falsche Empfehlung abgeben ist auch nicht richtig – ich hatte mich die ganze Zeit schon über Sabeja im Fernsehen geärgert 🙂

  4. Gute Idee! Aber Vorsicht dann mit den katalanischen Namen: Chordi Puchol ist dann wieder falsch… 🙂

  5. (Irgendwie ist gerade mein Format kaputt. Ich bitte schwankende Absätze und sich veränderte Fettdrucke sowie willkürliche Farbwahl zu entschuldigen. Bei jeder Korrektur wird eine alte Korrektur zurückgenommen.
    Wie spricht man eigentlich Sisyphos richtig aus?)

    • Ich bin mal mit dem Besen durch den Quelltest gegangen. Dieses heillose Durcheinander sah aus, als sei der Text in Word vorgeschrieben worden. Stimmt’s?

  6. Meinen Nachnamen kann in Deutschland keiner aussprechen, noch nicht einmal meine ( nicht-zweisprachigen) Geschwister, die es eigentlich wissen müssten, denn die heißen ja auch so. In Frankreich wird jeder Nachname sofort eingemeindet, was deswegen gut ist, weil es eine Weiterverwendung in der Kultur fördert. Ein Lied, in dem Beckettfalsch ausgesprochen vorkommt, ist besser als eines, in dem er nicht vorkommt, weil sich sein Namenrichtig gesprochen nicht reimt. Ich fand es jahrelang respektlos, dass keiner Valin hat aussprechen können, bin aber inzwischen der Meinung, dass es snobistisch ist, die Fähigkeit der korrekten Aussprache vorauszusetzen. Dass das Intellektuelle Niveau der Kommentatoren sehr zu wünschen übrig lässt, dass die sich mehr für gossip als für den Sport interessieren, da bin ich ganz bei Dir. Aber ich würde das nicht an der Namensausprache festmachen, im Gegenteil, mich kann jeder so nennen, wie er mag, und die accents mit dem Pfefferstreuer über die Vokale verteilen, is mir Wurscht. Das Distinktionsbedürfnis, mich über meinen Namen zu unterscheiden, hab ich nicht. Im Zweifel ist es besser, er wird falsch gesagt als nicht. Und ich habe es nie als Kränkung empfunden, wenn er falsch ausgesprochen wurde.

    • Frevel und Verrati! Das wäre doch ein prima Team für unsere Lieblingsteams unten.

      Also, ich störe mich wirklich und ehrlich nicht daran, wenn jemand (oder auch alle Journalisten) Namen verstolpern, wenn es deutsch klingt oder wenn Jorge einfach nicht über die Zunge geht. Normal. Verständlich. Ich bin auch froh, wenn mir bei französischen Namen niemand auf die Lippen guckt, von russischen oder afrikanischen nicht zu reden.
      Was mich allerdings stört und wirklich wütend macht, ist diese Haltung dahinter. Wenn sie entweder einen Namen immer anders aussprechen (was für mich ein Zeichen ist, dass sie ihre Unsicherheit da merken), sich dann aber trotzdem nicht kümmern, wie es gehen könnte, obwohl ihnen das (anders als Deinem oder meinem Nachbarn) ein Leichtes wäre. Oder wenn sie sich einen Namen erklären lassen, das dann aber als irgendwie albern, niedlich oder marottig abtun, oder aber eben beschließen (und formulieren), ab wann der Gegenüber so eine Aussprache haben darf. Das klingt für mich so sehr von oben herab, es gehört sich einfach nicht, dem anderen dann auch noch zu sagen, dass man selbst es aber anders besser fände und sich darum einen Dreck darum schert, wie er eigentlich heißt.

      Mein alter Name war so kompliziert, wenn die Arzthelferin schweigend lächelnd an der Wartezimmertür stand, war ich dran. Aber eben, von ihr verlange ich gar nichts. Wirklich nicht. Wenn sich der Journalist aber fast nur für das Verlesen von Namen bezahlen lässt, schon. Und vor allem möchte ich dieses Herblassende in einer Haltung wie gegenüber Shanice Craft nicht.
      Und darum gilt natürlich auch, was oben in den Kommentaren besprochen wurde: Wenn Sabella Italiener ist, gilt die an seinem Beispiel erklärte spanische Ausspracheregel natürlich wieder nicht, da hätte ich ihn wohl fragen sollen…

      Und schließlich, mich stört es, wenn ich selbst nicht weiß, wie ich jemanden aussprechen soll. Ich frage darum auch jede Angela, wie SIE ausgesprochen wird. Und da ich aufgrund meiner Sprachkompetenz in bezug auf einige wenige bei dieser WM vertretenen Sprachen den Eindruck habe, auf das, was man bei der WM hört, kann man sich in puncto Aussprache nicht verlassen, habe ich mal da angefangen, wo ich mich ein bisschen auskenne, und was dazu erklärt. Und freue mich wirklich, wenn mir jemand (außer den Kommentatoren im Fernsehen) sagt, wie der Torwart der Niederlande denn eigentlich heißt. Ob ich das dann nachsprechen kann, ist eine andere Frage.

  7. Aber was ich gestern vergessen hatte: witzig sind die immer wieder gleichen Phasen. Heutzutage gibt es keine normalen Innenverteidiger mehr, sie sind ausnahmslos als „gelernter Innenverteidiger“ unterwegs. Linksaußen, Mittelfeldspieler oder gar Stürmer aber haben ihr Handwerk offenbar nie gelernt, sondern improvisieren fröhlich vor sich hin.

  8. Was für ein notwendiger Beitrag! Sehr schön! Hätte ich die E-Mail-Adressen der Herren Réthy und Simons, ich würde ihn denen mit oberster Priorität zuschicken.

    In puncto Leiden an der Aussprache des (in deinem Fall abgelegten) Nachnamens bin ich auch ganz vorne mit dabei. Dafür kann ich ein bisschen was zu den niederländischen (JA GENAU, es sind KEINE HOLLÄNDER!!!) Spielernamen sagen. Einfacherweise nehme ich die, die keine Probleme machen, zuerst:
    Arjen Robben

    Oups. Das war es ja schon. Aber so schwer sind die anderen größtenteils auch wieder nicht. Viele haben englische Vornamen, die Nachnamen sind dem Deutschen mit Betonung auf der ersten Silbe sehr ähnlich:
    Daley Blind, Daryl Janmaat, Jordy Clasie, Leroy Fer

    Einige haben kleine Besonderheiten in ihren Nachnamen (weiterhin englische Vornamen):
    Nigel De Jong – Nachname De Jung
    Terence Kongolo – Nachname betont auf erster Silbe
    Memphis Depay – Nachname betont auf zweiter Silbe
    Jeremain Lens – Dschéremäin

    Manche haben Vornamen, die deutsch ausgesprochen werden, und Nachnamen mit Besonderheiten:
    Jonathan de Guzman – Nachname annähernd wie (lateinamerikanisch-)spanisch
    Klaas Jan Huntelaar – der Liebling deutscher Bundesligakommentatoren, die bis heute nicht wissen, dass niederländisches U wie deutsches Ü ausgesprochen wird… Betonung auf der ersten Silbe, End-R gerne gerollt mitsprechen
    Dirk Kuyt – Weder Kuit noch Keut, sondern Köit.
    Paul Verhaegh – Niederländisches V ist deutsches F, GH ist CH wie in Dach, AE ist AA –> Ferhaach
    Tim Krul – Regel „U ist Ü“, außerdem braucht es im Niederländischen keinen Doppelkonsonanten, um die Silbe zu schließen, sondern einen Doppelvokal, um sie zu längen, also „Krüll“
    Jasper Cillessen – wurde oben schon besprochen, scharfes S am Anfang, Betonung auf der ersten Silbe, der Rest ergibt sich

    Dann gibt es noch die mit den englischen Vornamen und den niederländischen Nachnamen:
    Robin Van Persie – wenn das S in Persie scharf ist, ist es richtig
    Wesley Sneijder – IJ ist ÄI, also nicht Sneider, sondern Snäider
    Joel Veltman – Regel „V ist F“
    Ron Vlaar – Regel „V ist F“

    Und nun die Komplizierten mit den Mischnamen oder falschen Freunden:
    Stefan De Vrij – Vorname betont auf erster Silbe und mit s-pitzem S-tein, beim Nachnamen Regeln „V ist F“ und „IJ ist ÄI“
    Bruno Martins Indi – „Südländern“ macht der Name keine Probleme, hier sticht der Ursprung die Regel „U ist Ü“
    Michel Vorm – französischer Vorname, trotzdem auf 1. Silbe betont („Miiischel“), Nachname „V ist F“
    Georginio Wijnaldum – Vorname für „Südländer“ wieder ohne Probleme, Nachname mit Regeln „IJ ist ÄI“, „U ist Ü“ und für Profis „L ist englisches L“, betont auf der 2. Silbe

    Und schließlich fehlt der Trainer, von deutschen Kommentatoren auch sehr häufig fehlerhaft ausgesprochen:
    Louis van Gaal – Vorname französisch, also ohne End-S und betont auf der 2. Silbe, beim Nachnamen Regel „G ist CH“

    Das Ganze in kurz: Regeln „G/GH ist CH“, „IJ ist ÄI“, „U ist Ü“, „V ist F“, „UI/UY ist ÖI“ berücksichtigen, intuitiv wie im Deutschen betonen, Herkunftsregeln gehen meistens über diese hier – und schon kommt es dem Original recht nah. Zum Üben zehnmal hintereinander den Satz sagen: „Buitenuit in de tuinen ruisen de pluimen van wuivend riet.“ Dafür ein vind-ik-leuk kassieren.

    • Und noch was zur Aussprache in Nederlands: geschriebenes oe ist gesprochenes u (kommt das bei den aktuellen Spielernamen vor?)

      • auf alle Fälle bei den Brüdern De Boer (warum fühle ich mich gerade eigentlich so alt, wenn ich an die beiden denke?). Da waren auch alle vermeintlichen „Optionen“ vertreten: Buur, Böör, Büür, Boor.
        Danke für Wijnaldum. Ich musste in meinen Vorträgen häufig auf einen Kollegen namens Sluyters referieren… aber man kann ja nachfragen. Eben.

        • Oh, es schreibt sich natürlich „de“ (nicht „De“) Boer. Ähem. Das Thema Orthographie ist auch nett. Beispiel: Elke Immel, Alexander Smertel im Uefa-Cup-Finale ’89 zwischen Neapel und Stuttgart mit italienischsprachigen Namenseinblendungen (‚Elke‘ und ‚Smertel‘). Für mich unvergesslich, weil ich nach dem Stuttgarter 1:0 von Gaudino (von Kommentatoren gerne mit spanischem -n- ausgesprochen) nur noch alleine auf der kleinen s/w-Glotze im Schlafzimmer schauen durfte….hatte aber keine orthographischen Gründe.

      • Genau, die Regeln „OE ist U“ und „EU ist Ö“ fehlen, kommen aber im aktuellen Kader auch nicht vor. (Oder hab ich was übersehen?) Es gibt sicher noch ein paar mehr Regeln und die genannten sind auch vereinfachend – richtig niederländisch klingt man erst mit sehr viel Übung und Überwindung, die Diphthonge zu Triphthongen anzuschleifen, die As in Richtung O zu schließen und die Frikative zu lispeln. Muss aber auch alles gar nicht sein, es reicht völlig aus, ein bisschen guten Willen zu zeigen.

  9. Und was ich eigentlich noch sagen wollte: Ich habe den Verdacht, sie machen diese Aussprachefehler mit Absicht. Um dem deutschen Durchschnittszuschauer solche komplizierten Ausspracheungetüme nicht zuzumuten. Denn wenn da Grafite auf dem Trikot steht, wie kann der deutsche Durchschnittszuschauer dann darauf kommen, dass der gemeint ist, wenn der Kommentator Grafitschi sagt?
    Merkwürdig auch, dass ein und derselbe Kommentator manche Namen immer richtig hinbekommt, andere meistens falsch – so etwas wie Regeln abzuleiten scheint ihnen fern zu liegen. Casillas habe ich noch nie falsch gehört, auf andere LLs scheint die Regel unübertragbar zu sein.

  10. Nun kommen noch ein ein paar Besserwissereien von mir…
    Wir sprachen ja gestern schon via Twitter über Hoka ido vs. Hokaido. Ich habe den Verdacht, dass es manchmal dem Bedürfnis der Exotik entspricht Namen gerne mal irgendwie exotisch auszusprechen oder eben nicht. Aber ich empfinde das auch in Nachrichtensendungen immer als großes Ärgernis. Und in meinen Augen hat das Öffentlich-Rechtliche da auch einen Bildungsauftrag oder nicht? Natürlich auch beim Fussball oder von mir aus bei Carmen Nebel.
    Und japanische Namen werden übrigens in aller Regel banal ausgesprochen. Meistens, wie wir die Dinge im Deutschen auch aussprechen. Dass es Tokjo heißt (und ebenso auch Kjoto, nicht Ki oto) ist ja halbwegs bekannt. Die R/L „Schwäche“ ist wie beim Chinesischen aber irrelevant um verstanden zu werden. (Obwohl ich es schon sehr entzückend fand, wie mein Japanischlehrer mir mal erklärte, dass er Ludi Dutschke im Original gelesen hätte). Ansonsten gibt es noch das Hu, was ein wenig wie ein gehauchtes Fu ausgesprochen wird. Und Ei wird nicht wie in Mai, sondern wie ei (Äji?) ausgesprochen.
    Übrigens kenne ich einige Deutsche, die extrem empört sind, wenn ihr Name nicht ganz richtig ausgesprochen wird. Na, ja .
    Beste Grüße aus Hamburg!

  11. Pingback: Woanders – diesmal mit Kunst, Namen, Marokko und anderem | Herzdamengeschichten

  12. Danke für den Beitrag!!
    Ich rege mich auch ganz besonders über die Aussprache der niederländischen Spieler auf, das tut echt schon weh in Ohren, was da passiert. Zu den Ausspracheregeln dort wurde ja bereits alles gesagt.
    Was ich nicht verstehe: das sind ja oft Spieler, die über Jahre, manchmal ein Jahrzehnt dabei sind. Sich da zu weigern, die Aussprache zu lernen, ist ja schon mutwillige Verweigerung. Und gleichzeitig ist das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen so stolz darauf, für die Nachrichten eigene Aussprache-Datenbanken zu pflegen, damit in heute und Tagesschau pbloß nichts falsch läuft. Das will nicht zusammen passen.

  13. Hach, Namen. Hört mir damit auf- wenn ich noch mal „Tschemm Ötzdemmir“ hören muss, versagt mir beiderseits das Trommelfell. Für mich ist ein falsch ausgesprochener Name eine Unhöflichkeit. Und zum falschen Aussprechen muss das nicht mal ein Name mit fremdsprachlicher Grundlage sein, da reicht auch einer wie meiner, der sich spricht wie man ihn schreibt. Aber nein, beinahe jeder, der mich nicht schon lange kennt, ignoriert das Dehnungs-H in der zweiten Silbe und macht dann aus einem Labahn einen Labban (Das ist nicht mein Hausname, sondern nur ein Beispiel). Und diese Angewohnheit zieht sich durch sämtliche Schichten und auch jede Menge Ethnien, da sind die Araber und Türken, mit denen ich beruflich zu tun habe, genau so gestrickt wie die Briten und Franzosen und die Deutschen. Es fragt kaum mal jemand nach (wahrscheinlich, weil die Silbermedaillen in meinem Regal fehlen)- und wenn, wird gern genickt und die falsche Aussprache weiter benutzt. Wofür mir dann allerdings jegliches Verständnis abgeht.

  14. Hmpf, ja! Und mit den ganzen Spielern, die Namen aus Kroatien, Serbien, Bosnien, Mazedonien etc. haben, ist es genauso schlimm. Das „ić“ am Namensende wird grundsätzlich wie „itz“ ausgesprochen, das ž wird zum z und mit den anderen Zeichen/Lauten geht’s grad weiter. Ich frag mich, ob das daher kommt, dass die Sonderzeichen auf den Trikots nicht aufgedruckt sind. Aber wieso nur diese nicht? Müller hat ja auch ein ü.

    • Die Trikots werden doch von den Fußballverbänden der jeweiligen Länder selbst mitgebracht, oder? Die der Deutschen Mannschaft werden jedenfalls immer mit großem Brimborium vom DFB vorgestellt.

      • Ich glaube auch, ja.
        Aufgefallen ist es mir bei den Schweizern und bei den Bosniern, daß die Zeichen fehlen. Ich hab aber auch sonst kaum Spiele gesehen 🙂

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