Vom Fenster gesehen

Als ich kurz vor Mitternacht ans Fenster trete, um die Gardinen zu schließen, sehe ich ihn. Auf dem verschneiten Weg zwischen den Garagen und dem Wald ist ein Jogger unterwegs, in einer engen schwarzen Hose und mit einer Mütze läuft er bergauf, stadtauswärts in Richtung Harz. Und er zieht einen leeren Schlitten. Ich schaue ihm nach, bis er mit langen, federnden Schritten im Dunkeln verschwunden ist. Ein Jogger mit Schlitten. Ich bleibe eine Weile am Fenster stehen, wo nichts mehr passiert, und denke darüber nach, in welcher Art Film mitten in der Nacht ein Jogger mit Schlitten vorbeikäme. In einem Krimi hätte er irgendeine sich noch erschließende Funktion (ein Zeuge, vielleicht der Mörder selbst) und würde in einer späteren Szene wieder auftauchen. Aber so eine Art Film ist das nicht. Also wird er nicht zurückkommen, er wird nicht die gerade zurückgelegte Strecke wieder herunterrodeln und es wird nicht erklärt werden, warum er um Mitternacht einen Schlitten zieht, im Laufschritt.

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3 Gedanken zu „Vom Fenster gesehen

  1. Das klingt wie der Anfang eines Romans, den ich gerne weiterlesen würde.

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