Tagebuch, 100 Jahre später

28´072014 Großeltern 005Das ist mein Urgroßvater Curt. Er ist einer der vielen jungen Männer, die vor genau 100 Jahren in den Krieg zogen. Mein Urgroßvater war Hauptmann im Königlich-Sächsischen Leibgrenadierregiment Nr. 100 in Dresden, seine Abreise Richtung Belgien und Frankreich fiel auf den 7. August 1914. Zur Zeit wird viel darüber diskutiert, wie begeistert die Bevölkerung 1914 tatsächlich war über den Kriegseintritt – er jedenfalls war freudig aufgeregt, konnte es kaum erwarten, dass es endlich losgeht. Um dann sehr schnell am Krieg zu verzweifeln: “Gott behüte uns. Es ist furchtbar.”
Das wissen wir, da mein Urgroßvater vom Tag seiner Einberufung an Tagebuch geführt hat, und diese Aufzeichnungen sind dank rechtzeitig angefertigter Abschriften erhalten. Auch meine Urgroßmutter hat einen Teil ihrer Erinnerungen beigetragen, die nicht weniger spannend zu lesen sind. Wir haben beschlossen, das Tagebuch als historisches Dokument nun in einem eigenen Blog zu veröffentlichen.
Meine Eltern haben nach Fotos und Briefen gesucht, die Aufzeichnungen für die Öffentlichkeit freigegeben und mich mit Rat und Materialien unterstützt. Dentaku, der mir bereits dieses Blog eingerichtet hat, hat mir Platz und technische Hilfe zur Verfügung gestellt. Ein bisschen muss ich noch basteln, aber das Weltkriegsblog meiner Großeltern ist fast fertig. Ich danke Euch!
Am Donnerstag geht es richtig los, aber ein bisschen was ist schon zu sehen und zu lesen – die Chronik des Krieges 1914 (dass er viel länger dauern wurde, war vielleicht nicht vorstellbar) in Worten meiner Urgroßmutter, eine Vorstellung des Projekts und seiner Protagonisten. Ich finde das alles sehr spannend, vielleicht mögen Sie auch schon einmal schauen:
Fürchten lernen – ein Weltkriegsblog. 

 

Accessoire

Wir haben einen Kinderwagen und eine Tragehilfe, oft genug trage ich das Baby aber auch einfach so durch die Gegend. Meist habe ich es dann im Fliegergriff, weil es so am besten und sichersten zu handhaben ist, wenn ich mit dem anderen Arm irgendwas zu tun habe – Formulare im Rathaus abgeben, Geld abzählen, Einkäufe tragen oder Nuno an die Hand nehmen. Wenn ich in dieser Form draußen unterwegs bin, hört sich das Umfeld ungefähr so an:
“Oh, ist das ein echtes Kind?”
“Ich dachte, Sie haben da eine Puppe!”
“Ist das eine Puppe oder ein Baby?”
“Ist in dem Schneeanzug etwas drin? Eine Püppchen?”
“Oh, ich dachte, Sie haben einen großen Teddy auf dem Arm!”
“Das macht ja die Augen auf! Es ist gar keine Puppe!”
Wenn solche überraschten Äußerungen in gewissem Maße reale Erfahrungen widerspiegeln, ist also davon auszugehen, dass Frauen Ende 30 üblicherweise keine Kinder, sondern ihre Puppen zum Einkaufen mitnehmen. Das überrascht wiederum mich, offenbar habe ich da einen Trend verpasst. Ich merke es mir für die Zeit, wenn Baby M. laufen kann.

Drang ihr Bild ins Herz mir ein [Soundtrack]

Die Elterngeneration reagiert auf den Namen unseres Töchterleins fast durchweg mit “Martha, Martha, du entschwandest”, spricht von “unsterblichen Melodien” und summt etwas an. Nämlich eine Arie aus der Oper Martha von Flotow.
Diese:

Und da unsere Martha ja eine “Talönerin” ist, wie Nuno sagt, auch noch in ihrer Vatersprache:

Tatsächlich haben wir zu allen in Erwägung gezogenen Namen Lieder gesucht, aber dazu später mehr. Heute belasse ich bei diesen Versen:
Ach so mild und so rein 
Drang ihr Bild ins Herz mir ein…

Spiele-Entwickler

“Ist Metall stärker als Regen? Ist Metall stärker als Holz? Ist Regen stärker als Holz?”
Der Lieblingsitaliener vermutet, dass Nuno gerade eine Schnick-Schnack-Schnuck-Alternative entwickelt. Wir spielen dann statt Stein-Schere-Papier demnächst nur noch Holz-Regen-Metall, und dazu gibt es Sprichwörter. Regen schlägt Metall, denn “Wer rastet, der rostet!” Und “steter Tropfen höhlt den Stein” oder “Wasser findet immer seinen Weg”. Wer die passende Glückskeks-Weisheit zu seinem Material parat hat, bekommt einen Punkt dazu. Und wenn das Ganze dann noch zu Deinem chinesischen Sternzeichen passt, bist Du sowieso unschlagbar.
(Feuer-Drache schlägt Holz-Hasen und Blech-Ratten, klar, oder?)

 

Mengenlehre

Wir reden – wie die Damen und Herren bei den Koalitionsgesprächen – über Staatsbürgerschaften und nationale Identitäten, oder, wie Nuno sagt, “für welche Mannschaft man ist”. Er ist jedenfalls nicht einverstanden:
“Ich bin nicht halb und halb! Ich bin ganz deutsch und halb argentinisch und wie viel italienisch?”
Das mit der doppelten Staatsbürgerschaft ist mehr als höhere Mathematik. Und die Wirklichkeit ist längst komplexer als ein Entweder-Oder. Was wenig überraschen dürfte. Schöne Grüße nach Berlin. Globalisiert Euch.