Public Viewing statt Second Hand!

Nix gegen Second Hand, eigentlich, aber WM-Spiele nach dem Abpfiff auf Video zu sehen ist einfach nicht halb, quatsch, nicht drittel so aufregend wie live. Und noch aufregender und lustiger wird es in Begleitung. Mit Fahne (hellblau-weiß, hehe). Noch besser: all das im Stadion.
Ich war 2006 nicht im Stadion und ich bin heute nicht in Klagenfurt. Und ich freu mich ja über Berichte in Blogs. Trotzdem: Ich hätte gerne
Bachmann-Preis-Public-Viewing.
Oder wenigstens während der Übertragung Zeit und die richtigen Sender.

Kräht der Hahn früh am Morgen…

… kräht er laut, kräht er leis… Hähne haben wir hier nicht, nur die Müllabfuhr, der aber heute früh ihr großer rumpelnder Auftritt verdorben wurde.
Percanto hatte heute frei und wollte ausschlafen, ich musste in die Bibliothek, aber auch nicht unbedingt vor dem Aufstehen. Aber die Gärtner, die gelegentlich die Hecke der Nachbarn schneiden – die dummerweise genau unter unserem Schlafzimmer steht -, müssen wohl unter so etwas wie Jetlag leiden.
Liebe Gärtner, wenn man schon zwischen 6 und 7 Uhr früh mit der Arbeit beginnt, muss man dann ZUERST die Motorsäge anwerfen? Kann man nicht schlafschonend mit Unkrautjäten beginnen?
Macht wahrscheinlich nur halb so viel Spaß um die Zeit.

[Immerhin, erst zwischen 6 und 7 - als sie zum ersten Mal im Winter, früh um halb 6 und im Stockfinstern die Motorsäge durch die Hecke gejagt haben, sah ich sie schon in schwarzer Maskierung das Fachwerk kurz und klein sägen und überlegte, ob es klüger wäre, oben auszuharren oder zu versuchen, die Treppe herunter und an ihnen vorbeizukommen. "Schlaf oder Leben!"]

Technisch Begabte unter sich

Toll, mein Laptop hat auch keine Ahnung von Computern. Dafür aber eine musische Ader.

Aus irgendeinem Grund (dem gleichen Grund möglicherweise, der für meine pfeifenden Computer-Tower, Tastaturen, die nur mit amerikanischen Adaptern funktionieren, brennende Toaster, zuverlässig zerspringende Glühbirnen, für DVD-Player, die keine DVDs bei sich behalten können, fabrikneue Laptops ohne Lüftung oder Handys ohne besprechbare Mailbox verantwortlich ist; aber mein mieses Technik-Karma wäre ein eigener Beitrag), aus irgendeinem Grund also ist von meinem Laptop das Programm Excel verschwunden, wenn es denn je drauf war.

Bevor ich ihn neu bespiele, lasse ich noch einmal das Suchprogramm laufen. Und er wird fündig!

“Gloria in
excelsis Deo.” Messe in h-Moll, Bachwerkeverzeichnis 232.

Fast, Schätzchen.

“Cada día te quiero más”, diesmal in blau-gelb

Nachdem er diese Nachricht aus dem morgendlichen Internet gefischt hatte, versuchte Percanto um 7 Uhr früh, mir (noch im Bett und mindestens eine Tiefschlafphase von diesem schon im Trikot steckenden Flummi entfernt) die wichtigsten Fangesänge beizubringen.
Meine Schwiegermutter tanzte um die Zeit vermutlich noch um den Obelisken. Olé olé olá.

Einsam und verlassen


Die Elternzeit ist zu Ende und Eva, die Mutter von C. (fast 3 Jahre alt), arbeitet seit heute wieder. Am ersten Tag geht es ein wenig drunter und drüber, so dass sie C. ein bisschen zu spät abholt.
C., bitterlich auf ihre Schulter weinend:

“Mama, warum hast du mich verlängert?!”

Geographie

— Huch, ein altes vergessenes Posting gefunden. Da es in einem Zug spielt, passt das mit der Verspätung aber, also geht es trotzdem noch online. ["Dieses Posting hat zur Zeit eine Verspätung von etwa einem Monat. Anschlusspostings werden nicht erreicht. Wir bitten um Ihr Verständnis. Thank you for travelling with Percanta."] —

Im ICE von Stuttgart nach Hamburg, wir befinden uns einerseits zwischen Göttingen und Hannover, andererseits im Großraumwagen mit etwa 30 heftig (vor-)pubertierenden Kindern. Da es der Freitag des letzten Bundesligawochenendes ist, stimmen einige Kinder immer wieder “Deuuuutscher Meister!” an, und ihr Dialekt kommt nicht aus dem Ruhrpott, weshalb sie Recht behalten werden. Wenn sie nicht gerade singen resp. grölen, fotografieren sie sich gegenseitig (mit oder ohne Baseballkäppi des großen Jungen) und sticheln und suchen Körperkontakt. Ebenfalls in Gruppen reisende Frührenter kommen durch den Waggon, singen und fotografieren sich gegenseitig (alle mit eigenen beigen Sonnenhüten) und fragen die Jungen: “Ah, Tokio Hotel?” – Einstimmige Antwort: “Nein! Die sind doch voll bescheuert!”
Die nächsten zehn bis zwanzig Minuten imitieren die Jungs am Nachbartisch Tokio Hotel in den höchsten Tönen. Dann plötzlicher Themawechsel:
Junge 1: “In welchem Bundesland liegt eigentlich Thüringen?”
[tumultartige Szenen, Antworten irgendwo zwischen "bist du bescheuert" und "wie, Bundesland, kann doch gar nicht."]
Junge 1, geographisch verunsichert: “Und Hannover? Von welchem Bundesland ist das die Hauptstadt? Nordrhein-Westfalen, oder?”
[beifälliges Gemurmel. Man einigt sich auf "wahrscheinlich Nordrhein-Westfalen".]
Junge 2: “Und Göttingen? In welchem Bundesland liegt das denn? Auch in Nordrhein-Westfalen oder in Hessen?”
Mädchen 1: “Oder Thüringen.”
[Sie kommen in der Diskussion nicht recht weiter, aber Rettung naht in Gestalt einer fülligen Schaffnerin.]
Schaffnerin: “Göttingen liegt in Niedersachsen.”
Junge 1: “Nie-der-sach-sen? Nee, das kann doch gar nicht.”
Schaffnerin: “Doch, Niedersachsen.”
[Schaffnerin ab.]
Junge 1: “Niedersachsen… die spinnt doch voll…”
Nach einiger Diskussion darüber, ob die Schaffnerin bei SOLCHEN Aussagen vertrauenswürdig sei, einigt man sich: Tokio Hotel ist voll peinlich.

Point of no return


Unsere Mensa-Gruppe, die aus Lateinern, Altgriechen und mir besteht, war beim Latein-Professor (40, alleinstehend, keine Kinder) zum Grillen eingeladen. Ich hatte schon vermutet, dass er trotz seines Berufes wohl eher nicht klassizistisch, stilbewusst und kulturbeflissen eingerichtet wäre. In Ermangelung ausgeprägter anderer Interessen hatte ich auch kaum Schallplattensammlungen, Fußballposter oder sonstige gesichtgebende Details bei der Einrichtung des Reihenhauses erwartet. Höchstens vielleicht – selbstironisch – einen blinkenden Marienaltar, aber auch der fehlte. Der Eindruck des farblos Kleinbürgerlichen wäre nach dem Besuch des Bades auch mit viel Mühe nicht mehr zu relativieren gewesen, denn dort fand sich der geschmackliche point of no return: Er hatte tatsächlich Window-Colors-Bildchen unter dem Spiegel. Window-Colors.

¡Feliz día, hermanito!


Das ist nun ein Vierteljahrhundert her, und das Baby wird heute 25.
Herzlichen Glückwunsch, großer kleinster Bruder!

(Die Narbe auf meiner linken Hand ist demnach auch 25 Jahre alt, anders als Du aber mittlerweile ziemlich verblasst. Die einzige Narbe mit Datierung und eine kleine Erinnerung an den Tag, als wir Dich zum ersten Mal gesehen haben; Mutti stand – mit Dir im Arm, vermute ich, das Bild ist ein bisschen unscharf in der Erinnerung – am Haupteingang des Krankenhauses und ich bin winkend rückwärts gegangen und dabei über die Treppe an der Notaufnahme gefallen. Der vielleicht beste aller Orte für einen Unfall.)