Vom Winde verweht

Heute Morgen sieht es draußen ganz ruhig aus, nur die Fahrräder haben sich zum Schlafen hingelegt und der Müll hat sich mitsamt einiger alter Weihnachtsbäume gut verteilt. Und mein Percanto fehlt, er ist gestern mit der Bahn zwischen hier und H hängengeblieben, wurde dann von einem Freund einer Freundin aufgenommen – und hat anscheinend einen sehr vergnügten Sturmabend verlebt! Er war nicht der einzige Gestrandete diese Nacht, wie man bei Isa und Ivy [und jetzt auch bei Herrn Paulsen und bei Kathleen] nachlesen kann. Ich selbst war zu Hause – da ich also nicht bei andern Bloggern gestrandet war und auch keinen Sturm-Besuch bekommen hatte, habe ich mich zumindest ein wenig selbst evakuiert und bin von der Luv- auf die Lee-Seite des Hauses gezogen. Schlafzimmer war Luv, und mit der fixen Idee, Kyrill könnte einfach die laut pfeifende Scheibe über meinem Kopf eindrücken, war an Schlaf nicht zu denken. Lee war Sofa. Als Notlager natürlich lange nicht so lustig wie Stranden. Beim nächsten Sturm fahr ich mit!


Ruhestörung

Der Sonntag hat sich zu unserem Hauptputztag entwickelt, mit in-den-Ecken-saugen und mit etwas Glück sogar mit Fensterputzen. Manchmal. Während ich heute also mit gelben Handschuhen unterwegs bin und über das kleine Küchenradio NDR Kultur höre (mit einem Bericht über Buenos Aires, wie nett), frage ich mich, ob ich wagen kann, dabei das Wohnzimmerfenster offen zu lassen – oder ob mir die Nachbarn dann wieder den Herrn in Grün vorbeischicken?

Vor kurzem haben sich meine Nachbarn nämlich meiner erbarmt und etwas gegen die quälende Einsamkeit am Sonntag getan.

Ich hatte am Sonntag Vormittag in der Wohnung rumgepuzzelt und dabei Musik gehört: h-Moll-Messe von Bach. Im Wohnzimmer war die Musik an und ein Fenster zur Straße auf, ich war in Küche und Bad unterwegs. Als die CD zu Ende ist, habe ich Tango angemacht, ungefähr bei Track #2 und um zwanzig nach eins klopfte es heftig an der Wohnungstür – ein Polizist in voller Motorradmontur. Mit dem Helm durchaus ein bisschen „Sondereinsatzkommando“.


Ich:
„Guten Tag?“
Polizist: „Guten Tag. Hören Sie schon den ganzen Morgen klassische Musik?“
Ich: „Öh… den ganzen Morgen, naja, ich habe gerade die h-Moll-Messe gehört.“
Polizist: „Es gab eine Beschwerde von gegenüber. Ihre klassische Musik ist zu laut. Bei offenem Fenster können sie am Sonntag nicht so laut sein!“
Ich: „???“
Polizist: „So eine Musik ist ja auch nicht jedermanns Sache, und sie läuft wohl schon den ganzen Tag sehr laut.“
Ich: „??“

Ich wollte ihn fragen, ob das sein ernst sei, es sah allerdings auch ohne Nachfrage so aus, als sei er nicht zu Scherzen aufgelegt. So habe ich nur vorsichtig darauf hingewiesen, dass meine Anlage nicht besonders groß ist (Minianlage mit kleinen Boxen) und dass ich nur die Messe gehört habe und vorher weitgehend geräuschlos am Schreibtisch saß.

Polizist: „Sie müssen die Sonntagsruhe einhalten, und so ’ne Musik ist auch nicht nach jedermanns Geschmack. Da beschweren sich die Leute.“

Ich hätte ihn auch noch gerne drauf hingewiesen, dass wir hier mitten in der Innenstadt und zwei Schritte neben der Fußgängerzone sind, über 3 Kneipen wohnen, gegenüber einen Dönerladen und hinten raus eine Pizzeria haben, alle Kneipen ihre eigene Musik und Außenbestuhlung haben und dass es hier oft wirklich laut ist – bin aber davon ausgegangen, dass er das bemerkt haben muss, als er sein Motorrad vor dem „Bismarckstübchen – ab 8 Uhr geöffnet – kein Essen“ geparkt hat. Allerdings spielen die anderen keinen Bach, zugegeben. Was ja besonders unangenehm für den Sonntagsfrieden ist.

Auch hätte ich ihm gerne gesagt, dass – a propos „nicht jedermanns Geschmack“ – ich nur was für die ästhetische Bildung unseres Viertels tun wollte. Hatte aber nicht den Eindruck, dass er Sinn dafür gehabt hätte. Also habe ich mir das alles verkniffen, mich artig entschuldigt und versprochen, am nächsten Sonntag keinen Bach zu spielen.


Musikwünsche, anybody?

Wortbildung

Eine junge Frau erzählt: „Weil ich jetzt schwanger bin, haben wir die Hochzeit vorverschoben und heiraten dieses Jahr schon.“
Erinnert mich an meinen damals noch ganz kleinen Bruder 1: „Das ist gar keine Abkürzung. Das ist eine Ablängerung.“


Warenwelten

I.
Zwooooosh! Bei Tchibo verkaufen sie ein Staubschwert! Mutterns NASA-geprüfte Kittelschürze überwerfen und dann Hausarbeit mit Laser-Action! Cool.

II.
Ebenfalls bei Tchibo gibt es heute Batterietester. Digitale. Die Batterie, die man braucht, um den Batterietester zu benutzen, wird mitgeliefert. (Also, eigentlich braucht man ja zwei: Eine im Batterietester, damit das Ding läuft, und eine außen, für den Test. Die mitgelieferte scheint geladen und somit für innen zu sein. Oder fürs Erfolgserlebnis.)

Mittelmaß

Was ist das eigentlich für ein Frauenbild, Frau Henkel?
Das große Interview der Neujahrs-Wochenendbeilage der Süddeutschen bestreitet Johannes Willms mit Gabriele Henkel zum Thema „Glamour“. Sie beantwortet Fragen zu Gästen, Festen und Eleganz – und zu Männern und Frauen:

¿? Welche Eigenschaft schätzen Sie an einem Mann am meisten?
: Himself!
[…]
¿? Gibt es Frauen, die Sie bewundern?
: O ja, und ihre Freundschaft ist mir wichtig.
¿? Und für was bewundern Sie die Frauen?
: Für ihre Persönlichkeit, ihre Schlagfertigkeit. Gute Frauen sind oft interessanter als mittelmäßige Männer.

Fällt der letzte Satz unter die geschätzte Schlagfertigkeit? Ich wäre ja sehr geneigt, ihn als ironischen Kommentar zu verstehen, nur passt die unironische Lesart leider viel besser zum restlichen Interview. „Gute Frauen sind oft interessanter als mittelmäßige Männer“. Na dann.